Temperament und Flamenco

Der amerikanische Psychologe Keirsey entwickelte eine Charakter-Theorie. Charakter ist im Gegensatz zum Temperament die “Hardware” – also das, was wir gewohnheitsmäßig und aus erstem Antrieb tun. In dem Buch “Versteh mich, bitte” beschreibt er die Charaktertypen. Dieses Buch ist ein Plädoyer dafür, dass wir akzeptieren müssen, dass jeder Mensch eine eigenen, inneren Trommler besitzt, nach dessen Rhythmus er funktioniert. Wir müssen akzeptieren, dass es andere Menschen gibt, die ganz anders ticken als wir selber. Diese Menschen empfinden und handeln ganz anders als wir selber, aber sie tun das nicht, weil sie einem böse fühlen, sondern weil sie so denken und fühlen. Wie wirkt sich das auf das Training im Flamenco aus, wie auf das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler?
Lies mehr …

Flamenco und Lyrik – wie entstand mein Artikel in der ANDA?

Die 100ste Ausgabe der Zeitschrift ANDA ist erschienen und enthält eine Reihe toller Artikel: Der Flamenco wird in Zeiten der Bankenkrise politisch, es gibt viele Interviews – und ein Artikel von mir über Lyrik und Flamenco, von dem ich hoffe, dass er nicht zu sehr vom Qualitätsstandard der restlichen Artikel abweicht.

Wie kam es dazu, dass ich den Artikel schrieb? Ich saß im Retiro-Park in Madrid und wurde inspiriert – von der schönen Vegetation, dem Denkmal für den Teufel, den vielen Menschen und dem nahen Madrider Stadtviertel Salamanca. Was ging mir damals durch den Kopf? Ich wollte mit den Artikel inspirieren:

  • Flamencokünstler und Aficionados, die den Romancero Gitano nicht kennen, wollte ich auf sein Gedichtwerk hinweisen. Es ist ein tolles Werk im Geiste des Surrealismus und kein Schmöker mit Gitano-Klischees, die gut zum Flamenco passen.
  • Ich möchte Künstler inspirieren, sich mit den Gedichten auseinanderzusetzen und neue Interpretationsformen durch Wahl der Verse und des Palos zu finden. Hier muss man sich aber intensiv mit dem Gedichtwerk auseinandersetzen.
  • Ich wollte auf die fantastische Übersetzung von Martin von Koppelfels hinweisen. Er zeigt, dass man sich an den vier-hebigen Trochäus in der Übersetzung der spanischen Romanze halten kann, sich aber nicht sklavisch daran halten muss, wenn es sich mit der Übersetzung beißt oder nicht in die Sprachmelodie passt. Hier finde ich Martin von Koppenfels richtungsweisend, denn es zeugt von Mut, sich von klassischen Formen abzuwenden, wenn man gute Gründe hat.
  • Viele der Interpretationen von Lorcas Werk halte für willkürlich und freie Assoziation. Ich wollte einen möglichst objektiven Blickwinkel dagegensetzen und bezog mich auf einen übersetzungs-theoretischen Standpunkt durch das Werk von Rudin.

Lies mehr …

Wie gestalte ich mir eine Soleá?

Farruco schrieb, dass man beim tanzen authentisch sein soll: Man soll da zeigen, was man fühlt. Ich glaube, dass es für mich gilt. Ich liebe den melancholischen Klang der Farruca und tanze sie deswegen zu gerne. Ich liebe die erhabenen Klänge der Soleá und die Rhythmen, die einen wegtragen. Ich möchte an ihr arbeiten und sie selber relativ frei auf der Bühne vorführen. Wie gestalte ich diesen Tanz?

Lies mehr …

Wie lernt man Bulerias Por Fiesta?

Die letzten beiden Tanzstunden im Mainzer Flamenco-Studio Bailando fand ich ausgezeichnet.  Nicole Mahr zeigte zwei Llamadas und ließ die Schüler dann zur Musik improvisieren: Eine Patada por Buleria beginnt und endet meistens so – dazwischen markiert man den Rhythmus. Sie sagte auch genau da Richtige: Wenn man frei por Fiesta tanzt, dann soll man lieber ganz einfache Schritte tanzen und keine komplexen Dinge.

Lies mehr …

Was macht die Buleria aus?

Der Abschluss –und für viele wohl der Höhepunkt– des Konzerts von Maria Serrano am letzten Mittwoch in Mainz war die Buleria: Jeder tanzte seine Patada – und am meisten hat mich der Sänger überrascht. Am witzigsten und am Eindrucksvollsten war natürlich die Patada von Maria. Dennoch war das Publikum von der ersten Minute an angesteckt. Wieso war das so? Was macht die Buleria aus?

  Lies mehr …

Bulerias-Training in Mainz

Derzeit kann ich am zwei Tagen in der Woche Bulerias tanzen: Einmal am Dienstag im Bailando und am Donnerstag im Vereinstraining von Pena La Buleria. Wie unterscheiden sich beide Trainings? Ich berichte mal von beiden Kursen.

Lies mehr …

Wie funktioniert eine Buleria?

Ich wollte am Beispiel des Stücks Anda Jaeeo einige rhythmisch Aspekte der Buleria erklären. Eine Buleriá ein Tanz im Flamenco, der normalerwiese auf Festen gespielt wird: Eine Gruppe von Menschen klatscht, applaudiert und spornt Sänger oder auch Tänzer an. Der Gitarrist spielt entweder ein „Solo“ (meist zu Beginn des Stücks), sonst spielt er den Rhythmus bzw. begleitet den Sänger und Tänzer. Die Regeln hierfür sind nicht schwierig, bedarfen aber einer gewissen Übung. Wenn man das kann, kann man eine Bulería por Calle jederzeit improvisieren.
Es gibt Bulería auch in anderen Formen – als choreographierten Tanz aber auch als reines Gitarrenspiel oder Gesang (mit Gitarre oder ohne). In dem letzten Fall ist die Bulería meist so schnell, dass sie nicht tanzbar ist. Sie hat dann auch nicht den klassischen Aufbau, sondern ein Tänzer muss sich Gesang und Gitarre unterordnen. Auf dem vorletzten Vereinstraining haben wir gelernt, was man in einem solchen Fall tanzen kann – aber auch das ist nicht der Gegenstand dieses Blogs.

Lies mehr …

Anda Jaleo – ist Flamenco politisch?

Wie tanzt man zu “Anda Jaleo”? Ist dieses Lied von Garcia, das von republikanischen Soldaten im spanischen Bürgerkrieg gesungen wurde, politisch? Ist gar Flamenco politisch?

Lies mehr …

Rechter Terror ohne Bekennerschreiben – die Ermordung Lorcas

Die Werke Lorcas haben mich im letzten Jahr sehr beschäftigt – es begann mit seinen Zigeunerromanzen und später kamen die Theaterstücke hinzu. Diese interessierten mich umso mehr, da sie auf mich wie Prototypen der Filme des spanischen Regisseurs Pedro Almodovar wirkten: Hauptpersonen waren Frauen und es drehte sich nur um Männer. Die Frauen waren vital und willensstark, jedoch frustriert in ihren Beziehungen. Die Aussagen waren durchaus gesellschaftlich: Bernarda Alba repräsentiert die Tyrannin, die die Armen verachtet und der Konventionen und ihr gesellschaftlicher Status alles bedeuten. Eine ihrer Töchter rebelliert mit einer Aussage, der das damalige Establishment schockte: “Mein Körper gehört mir!”

Lorca wurde schnell zum Feindbild der Katholiken und der spanischen Rechten, die gegen ihn und seine Theaterprojekte Kampagnen fuhren. Die “Barraca” repräsentierte alles was sie hassten: Sie zeigten traditionelle spanische , auch religiöse, Stücke ebenso wie moderne sozialkritische Werke. Es waren Studenten, sogar Frauen waren darunter, die durch das Land reisten – und geleitet wurde das Ganze von dem “roten Poeten” Lorca, der zudem noch schwul war.

War Lorca nun ein “roter Poet”? Sein Biograph Ian Gibson zeigt ein differenziertes Bild: Lorca zeigte Sympathien für die Sowjetunion und gab in Interviews eindeutige Stellungnahmen für die Republikaner. Er war aber nie Mitglied der kommunistischen Partei, noch wollte er sich durch sie instrumentalisieren lassen. Lorca missachtete 1936 die Warnungen seiner Freunde und fuhr nach Granada und wurde dort von der Falange-Miliz gefangen genommen. Die Falangisten fackelten nicht lange und ermordeten ihn – über den genauen Ort und die genauen Hintergründe wissen wir wenig.

Was mich wirklich verwundert, ist dass Wikipedia auf einen Spiegel-Artikel von 1956, der ein Buch eines französischen Aristrokraten vorstellt, der behauptet, die “wahren Hintergründe” des Mordes an Lorca zu kennen. Das, was dort beschrieben ist, ist teilweise absurd:

  • Lorca wurde auch von einigen Rechten verehrt – ja, und? Wurde er nicht deswegen von anderen Rechten massiv angegriffen?
  • Die Familie hat wenig Lorcas Interesse an der Aufklärung – auch nicht verwunderlich, sie leugnet auch Lorcas Homosexualität.
  • “Feindschaften” unter Künstlern – ja und? Der Regisseur  und “Freund” Lorcas Buñuel hatte sogar Schwule in seiner Jugend als Sport zusammengeschlagen.  Das Verhältnis zu den Künstlern war nicht unkritisch – aber gab es deswegen Morde? Buñuel warnte sogar Lorca, nach Granada zurückzukehren.
  • In Spanien wusste man die “wahren Hintergründe” und schwieg – was bedeute, dass man die “wahren Hintergründe” kennt. Auch das ist Mist: In Spanien wollten die Behörden die Hintergründe verschweigen, was auch noch für ganz andere Verbrechen des spanischen Faschismus gilt, die heute noch Tabu sind.

Wer tatsächlich über das Ende Lorcas bescheid wissen will, sollte die Bigraphie Lorcas lesen, die Quellenangaben und Zeugenaussagen aus den 70er Jahren enthält. Hier erfahren wir mehr über die letzten Stunden Lorcas.

Tatsächlich ist es für mich kein Wunder, dass Rechte einfach Menschen töten ohne Bekennerschreiben. Das war so bei Rosa Luxemburg, Liebknecht und auch beim liberalen Politiker Rathenau. Und auch, wenn ich hier nicht über Politik schreiben will, hier noch ein Statement: Wenn BKA-Präsidenten bedauern, dass deutsche Rechtsterroristen ohne Visitenkarten & Bekennerschreiben morden und deswegen entschuldigen, dass deutsche Sicherheitsbehörden im Dunkeln tappen, dann zeigt das nur, dass weder der BKA-Präsident noch die Strafverfolger die deutsche Geschichte und auch nicht die Geschichte des Terrors studiert haben. Das ist ein Armutszeugnis.

Sollen Männer zuerst die „klassische Form“ lernen?

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit einer Tänzerin, die ich sehr schätze. Es ging um die männliche Armführung und mir wurde empfohlen, die „klassische Armführung“ zu lernen. Ich widersprach – und beschloss, meine Gedanken zu bloggen um mir den Frust von der Seele zu schreiben.

Lies mehr …

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.