Dreh mit al Dente Entertainment

Meine Kollegen sind nicht nur sehr erfahrene und engagierte Profis in ihrem Job, sondern sie haben auch interessante Hobbies: eine experimentelle Archäologin, ein Quadrocopterpilot, ein Feuerwehrmann, ein Rennfahrer, ein Treckerfan, ein 400 Meter Läufer, ein Roboter-Fussballer, ein Airbrushkünstler, ein Spinnenexperte, ein Freeclimber, einTrekkingfan und ein Amateur-Flamencotänzer wurden in einem Promo-Video vorgestellt. Es zeigt, dass viele meiner Kollegen wunderbare Hobbies haben und interessante Menschen und inspirierende Menschen sind und erklärt, warum ich mich in meinem Job wohl fühle. Und so entschloss sich meine FIrma, ein Video zu drehen, dass die „Nerds“ auch einmal von ihrer privaten Seite zeigt.

Das Video wurde von den Profis von http://aldente-entertainment.com/news/ gedreht. Ich empfehle unbedingt den Besuch der Homepage, denn die Filmbeispiele sind sensationell – insbesondere der prämierte Film über den Obststand von „Bananen-Didi“. Dieses Video entlarvt die Werbefilme inkl. dem Business-Sprech, das in der Wirtschaft leider allgegenwärtig ist. Wenn geistlose Manager ihre Umwelt blenden wollen, nutzen sie keine Argumente sondern falle n auf die Ebene von Floskeln zurück, die gebetsmühlenartig wiederholt werden.

Wie läuft so ein Dreh ab? Das Team besteht aus Profis, die auf jedes Detail achten. Man wird geschminkt, ausgeleuchtet – und dann beginnt es vor von. Wir wurden von hinten angestrahlt, bewegten uns vor der Kamera, während die Kamera mit Kameramann auf einem beweglichen Wagen sich zu uns bewegte. Alles fand in einer Tiefgarage statt mit Raucheffekten, Licht von hinten und dabei immer die Gefahr von zu viel Flare, also Linsenreflexion.

pic1

Für den Tanz war es nicht optimal – es war spät, auf dem Beton konnte ich mich nicht gut bewegen, aber ich versuchte dennoch ein paar „Moves“ und entschied mich für die Farruca – also Chaflans und Markierungsschritte.

Und ihr ist das Ergebnis:

Als ich am Vortag beschreiben sollte, was mir beim Flamenco gefällt, fühlte ich mich etwas unwohl. Ehrlich gesagt war ich in einer leichten Krise, die wohl alle Tänzerinnen und Tänzer haben, die etwas länger tanzen, überfällt. Man sieht die Leistung stagnieren, ebenso fühlt man sich nicht immer gefordert, da nicht jede Tanzschule Kurse für Fortgeschrittene anbietet. Und sind sie doch vorhanden, ist man auch frustriert, denn wenn man nicht immer mittanzen kann, da z.B. berufliche Termine weitab der Heimat stattfinden, kommt man dann manchmal nicht mit.

Als ich dann aber in der Tiefgarage tanzte, konnte ich mich wieder fokussieren. Zwar war es kalt und der Boden hart, aber ich hörte in meinem Kopf den Tankt, Gesang und Musik. Und dann merkte ich, dass dies auf mich übersprang und ich begann zu experimentieren, was auf dem harten Boden möglich ist. Und es klappte auch und es sprang dann auf die Beteiligten über statt. Statt endloser Wiederholungen gaben mir die Drehleiter sofort Feedback: „Gekauft – ist im Kasten.“ Und so ging es weiter. Natürlich haben Profis von aldente Entertainment immer wieder an den Einstellungen gefeilt und ich musste einige Positionen Zentimeter-genau einnehmen, damit die Lichtverhältnisse stimmen.

Es machte mir Spaß und so vergaß ich, dass ich am Morgen des Drehtags sehr früh aufstehen musste, mehrere lange Meetings hatte und eigentlich um 17 wieder im Zug ins Rhein-Main-Gebiet sitzen wollte. Der Zeitplan war dahin, da die Shootings bei meinem Vorgängern länger dauerten, was auch kein Wunder war, da schwere Gegenstände wie z.B. Traktoren bewegt und in Szene gesetzt werden musste. Aber es störte mich auch nicht mehr, dass ich auch etliche Nachfolgezüge verpasste.

Für mich war das aber auch nicht wichtig, denn der Dreh hat mir gezeigt, wie wichtig für mich Flamenco ist, dass meine Leistung auch auf gnädige Zuschauer überspringen kann. Insofern ist Flamenco mehr als eine Menge repetitiver perkussiver Muster und Harmoniefolgen, die durch eine Menge an tradierter Funktionen verbunden werden. Flamenco besitzt auch emotionale Aspekte und ermöglicht es, Aspekte der eigenen Persönlichkeit auszudrücken.

Bulerías al Golpe

Die Bulería al Golpe war für mich die Entdeckung dieses Wochenendes. Die Bulerías aus Sevilla und Jerez sind für meinen Geschmack zu aufgedreht. Ja, auf der Bühne bin ich mal in Stimmung und tanze auch eine por Fiesta, aber die Bulerías al Golpe aus Utrera gefallen mir besser. Sie sind langsamer und sie bedeuten für mich eher eine verhaltene Freude. Zudem hat sie einen schönen Swing.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass sie nicht den typischen Aufbau einer Strophe aus Jerez hat und man muss sehr viele Strophen kennen um zu wissen, wie lange sie dauern. Eine Strophe kannte es z.B. nur aus Sevillanas:

La Malena tenia un puestecillo
vendia caramelos pa los chiquillos
Malena mia
date una vueltecita por bulerias

Y a la medianoche
me despierto y digo
donde andara este mal nacio
que no esta conmigo

Isabel Alvarez hat auch eine weitere Strophe gesungen:

Esta noche mando yo
Mañana mande quien quiera.
Esta noche vi a pone
por la esquina bandera
por la esquina bandera.

Ich möchte allen Dozenten noch einmal danken: Frank für sein Gitarrenspiel, Isabel für den ungemein inspirierenden Gesang und Fernando für eine schöne Choreographie.

Leider habe ich auf Amazon keine Aufnahme von Bulerías al Golpe gefunden. Wenn mir jemand eine Tipp für Lieder und CDs geben kann, bin ich sehr dankbar.

Tango de Málaga- Workshop mit Bettina Castaño und Espina

Vor drei Wochen unterrichte Bettina Castaño in Mainz. Einen Zwischenstand habe ich ich schon gepostet: https://diarioflamenco.wordpress.com/2014/11/01/workshop-tango-de-malaga-mit-bettina-castano/ Wenn ich nun resümiere, hat mir der der Workshop viel gebracht und ich habe eine Entrada mit LLamada und einen Remate in mein Repertoire aufgenommen, ebenso einen Übergang zum Tango.

Der Gesang von Isabel Alvarez war sehr inspirierend und ich werde diesen Palo in meinem Repertoire behalten. Die erste Choreographie hierzu habe ich von Nicole Mahr gelernt, dann folgte ein Workshop mit Fernando Galan. Inzwischen habe ich auch sehr viele Fußteile von Tanja La Gatita gelernt, so dass ich genügend Material besitze.
Der Tango de Málaga ist ein etwas melancholischer Tanz mit schönen Gesangsharmonien, bei der Gitarre wird er ähnlich wie eine Farruca gespielt. Er ist nicht so zackig wie eine Farruca und ich glaube, man kann ihn auch freier tanzen im Gegensatz von einem Palo, der durch Größen wie Antonio Gades oder Toni El Pelau geprägt ist – ich kann also etwas freier tanzen.

Den Tanz empfinde ich ebenso wie die Farruca als introvertiert. Ich tanze sie also etwas „reserviert“. Der Stil gefällt mir sehr gut und ich glaube, dass ich durch den Unterricht hier weitergekommen bin, da sie viele Tipps zu Haltung, Ausdruck aber auch dem Aufbau des Tanzes gab. Es hat sich also wieder gelohnt.

Stehende Ovationen bei Estrella Morente in Mainz

Ich dachte schon das Konzert würde sich zu einer Katastrophe entwickeln: Der Konzertplakate und di Zeitung kündigten es für 20 Uhr an, es begann eine Stunde früher. Ebenso war die Reihen sehr kreativ nummeriert: Es fehlten u.a. die Reihen 2, 8, 10, 12 bis 14.

Aber es kam ganz anders. Estrella Morente trat mit hervorragenden Musikern auf und sie bot jedem die Möglichkeit sich zu präsentieren, was sie auch machten. Für mich war es dies die Überraschung des Abends und neben den Gitarristen auch der tanzende Cajonist. Aber auch in der Begleitung waren die Musiker perfekt und es war ein Genuss den Palmas zuzuhören.

Estrella Morente hatte ein klassisches Programm mit traditionellem Flamenco, das sie ihrem verstorbenen Vater Enrique Morente widmete. Ein anderes Stück widmete sie dem vor kurzem verstorbenen Torero José Mari Manzanares. Ich befürchtete schon, dass das Konzert zu viel Tiefgang bekommen würde, zumal durch die Cante de las Minas und die Soleá sehr melancholische bis tragische Stücke gesungen wurde – ist hierbei die Inszenierung zu durch die hervorragenden Musiker zu perfekt, kann das Programm leicht künstlich wirken wie ein Flamenco-Kammerspiel. Und diese Gefahr droht, denn Estrella Morente wirkt mit ihren Posen, ihrer Perfektion und dem Kleid voller Volants schon fast wie ein lebendiges spanisches Klischee.

Aber weit gefehlt: Estrella Morente meisterte dies und begeisterte das Publikum. Zum Ende des Programm lockerte sie es durch einen Tango de Granada auf und durch ihr Lied Cerro de Palomares:

Unos dicen que nones y otros que pares, y otros que pares
Unos dicen que nones y otros que
pares, y otros que pares.

Ihr Schlussstück war “Volver” und als das Publikum Zugaben forderte, kam ein Ende por Bulerias.

Für mich war es eines der besten Flamencokonzerte, die ich je erleben habe. Estrella Morente stilisierte sich nicht zur einer Ikone, sondern wirkte natürlich, zeigte Emotionen, sprach das Publikum und schaffte es so, das Publikum zu begeistern. Das Mainzer Publikum dankte es ihr mit stehenden Ovationen.

DSC_0423

Workshop Tango de Málaga mit Bettina Castaño

Heute fand der erst Teil des Workshop von Bettina Castaño im Mainzer Bailando statt. Begleitet wurde sie von ihrem Mann Espiña und Isabel Alvarez (Cante). Der Palos ist melancholisch und besitzt wunderschöne Melodien.

el día que yo lo coja
el día que yo lo coja
hablando con quien tú sabes
te toca la lotería
de los números cabales
te toca la lotería
de los números cabales

Die Choreographie von Bettina ist Mittelstufe geeignet. Aber Fortgeschrittene kommen auf die Kosten, die Bettina nimmt sich die Zeit und geht detailliert auf die Haltung, Technik (Drehung) und Armtechnik ein. Sie erklärt in Ihrer routinierten und strukturierten Art genau die Struktur des Tanzes und nimmt sich die Zeit, Kursinhalte zu wiederholen, bis sie sitzen. Rhythmusübungen runden das Programm ab. Ich habe viel Input für meinen Tango de Málaga bekommen und werde ihn definitiv weiter ausbauen umd freue mich auf die Fortsetzung morgen.

Wie wird man besser bei der Bulería?

Der Flamenco-Verein Peña la Bulería bietet seit geraumer Zeit Workshops an, den sog. Bulería-Treff. Er richtet sich an Sänger, Tänzer und Gitarristen und am Ende kann jeder eine Patada por Bulería ausprobieren. Grundgedanke der Veranstaltung war, dass viele Tänzerinnen und Tänzer trotz langjährigen Trainings nicht in der Lage sind, Bulería por Fiesta zu tanzen. Die Gründe hierfür sind einfach: In Tanzschulen wird nicht das Zusammenspiel der Akteure unterrichtet und gleichzeitig viel zu anspruchsvolle Techniken. Oftmals beschäftigt man sich zu selten mit dem Gesang und der damit verbundenen Interaktion wie Remate und Llamada. Wenn man diese Dinge nicht beherrscht, hat eine Patada por Bulería aber nicht die Wirkung, was man dann bei öffentlichen Vorführungen auch gut mitbekommt, da die Zuschauer weniger klatschen: Der Tanz ist schön, aber passt nicht zum Gesang, es ist technisch gut, wirkt aber „abgespult“ und emotionslos. Aber das ist kein Problem, denn genau daran kann man beim Bulerías-Treff arbeiten.

Meiner Ansicht gibt es drei Gruppen von Teilnehmern: Die einen sind absolute Profis und brauchen das Training nicht mehr. Deswegen wenden sie sich anderen Dingen zu wie z.B. dem Gesang. Die nächste andere Gruppe, zu der ich mich zähle, kann zwar eine Patada tanzen, macht aber ständig Fehler und empfindet einen komplexeren Teil als Herausforderung. Hier hilft nur Übung, gleichzeitig wäre eine Erweiterung des tänzerischen Repertoires gut, sonst tanzt man immer dasselbe. Die letzte Gruppe sind die Anfänger, die sich leider von anderen Tänzern oft eingeschüchtert fühlen, wozu kein Grund besteht, denn Tänzer der „mittleren Stufe“ stolpern selber von Fehler zu Fehler, können es nur besser verbergen.

Bulerías scheinen im Trend zu sein: Der Kurs „Bulerías in der Soleá por Bulerías“ beim Flamencosommer Rhein/Main war ausgebucht – die Teilnehmer standen sind fast auf den Füßen. Das Interesse ist also da. Wie sollte man weitermachen?

Meiner Ansicht sollte es Kurse geben der Art „Technik für Bulerías“ bzw. „Elemente der Bulerías“. Vom Inhalt sollten Llamadas, Remates und einige Schritte wie z.B. Paso de Bulerías geübt werden. Für Anfänger sollten einige einfache Schritte dabei sein, später sollten fortgeschrittene Techniken geübt werden. Auch wenn diese vielleicht zu schwierig sind, so dass Anfänger diese tanzen können, ist doch ein sehr gutes Technik- und Rhythmustraining für den 12er-Takt. Ich glaube, dass die Peña la Bulería hier extrem viel bieten kann, denn mit Luis Monje Vargas und Fernando Gálan gibt es zwei tolle Dozenten aus Jerez, die Experten sind für Bulerías.

Ein (vorläufiger) Rückblick auf den Flamencosommer

Der Flamencosommer Rhein/Main ist noch nicht vorbei – aber schon jetzt möchte ich ein Fazit ziehen. Ich fand die Konzerte bisher einzigartig und das gilt insbesondere für das Recital de Cante im Weingut Stenner und ebenso Double Kick im internationalen Theater in Frankfurt – aber da werde ich noch gesondert drüber schreiben.
Tänzerisch hat mir der Flamencosommer sehr viel gebracht – wahrscheinlich mehr als die bisherigen. Der Grund liegt einerseits darin, dass die Workshops extrem konzipiert waren und ebenso, dass ich langsam lerne, sie für mein Weiterkommen zu nutzen.

Der letzte Punkt ist eigentlich sehr einfach: man kann nicht erwarten, dass man den kompletten Inhalt eines Workshop in sein tänzerisches Programm übernehmen kann. Aber wenn man es schafft, die einige schon Teile zu übernehmen und in die eigenen Choreographien zu integrieren, ist man schon sehr viel weiter. Gerade Elemente aus dem Tarantos kann ich sehr gut in den Tango de Málaga und die Farruca einbauen, dasselbe gilt auch für den Technikstunden, die Fernando Galan konsequent auf den 4er-Takt ausgerichtet hat.

Der andere Grund liegt darin, dass die Workshops gut konzeptioniert waren. Peña la Buleira bot einen Baukastenworkshop an im Palo Soleá por Bulería an, der über fünf Workshop-Wochenenden geht. Das ist so viel Material, dass man sich jeder sich die Teile montieren kann, die er oder sie tanzen will. Dieses Wochenende konnten wir uns sehr intensiv der Bulería in der Soleá por Bulería widmen und diesen Teil sehr intensiv üben, was sonst nicht möglich ist, da dies aus Zeitgründen das oft nicht möglich ist und man oft nur eine Dreiviertelstunde dafür Zeit hat – da sie eben den Abschluss darstellt. Nun konnten wir uns mit diesem Abschnitt in aller Tiefe auseinandersetzen.
Für mich ergeben sich hier Trainingsziele: Ich habe die Soleá por Bulería schon nach CD und frei getanzt – jetzt werde ich mir hier etwas zusammenstellen und in mein Repertoire aufnehmen. Dasselbe gilt auch für die Farruca, die ich mir wieder neu zusammenstellen werde. Und generell werde ich mich mit dem Thema Bulerías tiefer beschäftigen. Und auch zru Tanzhaltung habe ich wieder viel Feedback bekommen – ich muss tiefer stehen und der Tanz muss schwerer und erdiger werden. Also gehen wir es an.

Ebenso habe ich mir einen Palmaskurs bei Conny Sommer gegönnt und viel Feedback bekommen, das mir beim Thema Contratiempo (also den gefüchteten Gegentakten) hilft und ebenso Anregungen, einen schönen Swing bei der Begleitung der Bulerías zu erreichen. Es hat sich also sehr gelohnt!